Es gibt diese Wochenenden, die sich einbrennen – nicht nur wegen der Geschwindigkeit, der Vibrationen und des Geruchs von Gummi, sondern wegen der Momente dazwischen. Unser Saisonfinale am Slowakiaring und Pannoniaring war genau so eines: intensiv, lehrreich, herzerwärmend – und am Ende auch schmerzhaft, aber ehrlich.
Slowakiaring – Zeitenjagd und ein besonderer Meilenstein für Julian
Der Auftakt am Slowakiaring stand für mich unter einem klaren Stern: Ich wollte meine Rundenzeiten weiter verbessern. Kurve für Kurve, Bremspunkt für Bremspunkt – dieses Gefühl, wenn eine saubere Linie plötzlich zum Fluss wird. Es lief. Nicht immer perfekt, aber spürbar besser, und das gab mir genau den Kick, den ich brauchte.
Für Julian war es ein ganz anderes Kapitel: die neue ZX-6R nach dem Umstieg von seiner R6. Dieses Motorrad ist kein bloßer Nachfolger, es ist ein anderer Charakter. Wir haben zusammen an der Übersetzung gearbeitet – ein kleiner Eingriff mit großer Wirkung – und trotzdem war es ein Tag der Entscheidungen, nicht alle erfolgreich. Bei den Reifen hat er sich leider verpokert: falsche Wahl, falsches Fenster, und schon fühlt sich ein eigentlich starkes Bike widerspenstig an. Trotzdem: Was mich unendlich stolz gemacht hat, war, dass der Veranstalter ihn als Instruktor ausgewählt hat. Mein eigener Sohn, der anderen die Linie zeigt, Ruhe reinbringt, Vertrauen gibt – und ich durfte ihn dabei begleiten. Das war größer als jede Bestzeit.
Und das Wetter? Ein Geschenk. Blaue Bühne, perfekte Temperaturen, griffiger Asphalt – die Art von Bedingungen, bei denen du dich traust, die Bremse eine Idee länger zu halten und das Gas einen Hauch früher zu öffnen.
Pannoniaring – Freunde, Familie und die tückische Kurve 3
Später am Pannoniaring wurde das Wochenende noch voller: Wir trafen Freunde und Verwandte – Kurt und Max mit seiner Freundin. Diese Mischung aus Familiengefühl und Rennstrecke ist einzigartig: Benzingespräche in den Pausen, Lachen im Fahrerlager, Schraubenschlüssel, die reihum gehen, und immer dieser Blick zum Himmel: „Bleibt’s so schön?“ Es blieb perfekt.
Die ersten beiden Einführungsrunden verliefen wie aus dem Lehrbuch. Rhythmus finden, Blick weit, Vertrauen wächst. Dann Kurve 3. Ein Moment, eine Nuance zu viel, vielleicht der Druck, vielleicht einfach Pech – und schon rutsche ich raus, ab ins Kiesbett. Sturz. Das Herz schneller als der Tacho. Die Sekunden danach sind eigenartig still. Da liegst du und denkst an alles: an die Saison, an die Freude, an Julian, der gerade seine neue Maschine zähmt, an die Gespräche mit den Jungs im Fahrerlager. Verletzung – ja, es hat mich erwischt. Nicht dramatisch fürs Leben, aber genug, um den Tag zu beenden und den Rest des Wochenendes in den Modus „Annehmen und heilen“ zu schalten.
Was bleibt
- Für mich: Der Fortschritt ist real. Die Zeitentafel lügt nicht. Und dennoch erinnert dich ein Ausrutscher daran, dass Respekt vor der Strecke nie Routine wird.
- Für Julian: Ein neues Motorrad, ein neues Kapitel – und die Bestätigung, dass er nicht nur schnell fahren, sondern auch führen kann. Instruktor sein ist Verantwortung, und er hat sie angenommen.
- Für uns beide: Dieses Vater-Sohn-Band, das zwischen Boxengassenkaffee und letzter Schraube wächst. Gemeinsam zu schrauben, zu analysieren, zu jubeln – und auch mal Niederlagen zu tragen – das ist der wahre Sieg.
- Für die Crew: Kurt, Max und seine Freundin – solche Tage sind besser mit Menschen, die mitfühlen, mitfiebern und im richtigen Moment einfach nur da sind.
Das Saisonfinale war kein Märchen mit weißer Weste. Es war echter Motorsport: Licht und Schatten, Millimeterentscheidungen, Herzklopfen und Staub im Mund. Und genau deshalb war es wunderschön. Wir kommen wieder – mit heilen Knochen, klügeren Reifenentscheidungen, feinerer Übersetzung und demselben Feuer im Bauch.




